Wandern auf den Spuren der Katharer

Chemin de Bonhommes




Nach der Überlieferung handelt es sich um den Fluchtweg einer katholischen Glaubensgemeinschaft, Katharer genannt, vor der Inquisition in Frankreich bis ins katalanische Spanien. Wir wollen diesen Weg begehen und die Pyrenäen von Nord nach Süd überqueren.


Zunächst geht es mit dem Flieger nach Toulouse und weiter mit der Bahn bis zum Ausgangspunkt unserer Tour in Foix. 


Angekommen schlendern wir den Rest des Tages durch die wunderschöne Altstadt und lassen den Anreisetag bei einem wunderbaren Abendessen ausklingen.

Tag 2


Heute wollen wir noch in aller Ruhe die schöne Kleinstadt Foix erkunden. 


Wir starten den Tag mit einem typisch französischen Frühstück und herrlichem Blick auf den Fluss Ariege. 


Auf gehts zum Wahrzeichen der Stadt, das Schloss von Foix, welches sich auf einem mächtigen Felsblock über der Stadt erhebt. Von hier aus starteten die Katharer ihren Weg.


Am Nachmittag unternehmen wir eine erste kleine Wanderung zum Kreuz des Erlösers und genießen den herrlichen Blick auf Foix und den Fluss Ariege. 


Voller Vorfreude auf die nun folgende Tour lassen wir den Tag in Foix ausklingen.

Tag 3


Jetzt geht es endlich los. 

Unsere heutige Etappe führt uns von Foix ins kleine Dorf Roquefixade. Für die ersten fünf Kilometer bis nach Montgailhard nehmen wir ausnahmsweise noch einmal den Bus, da die Strecke ansonsten nur entlang einer Schnellstraße führt. Dann aber geht es durch dichtes Gelände hinauf zum Col de Porta Pa.


Unsere erste Rast auf einer idyllischen Wiese müssen wir allerdings fluchtartig beenden, da wir sofort von unzähligen Zecken befallen werden. Also geht es weiter durch den dichten Wald, über kleine Feldwege und wir genießen immer wieder die tollen Ausblicke. 


Wieder bergab führt uns der Weg ins kleine Örtchen Leychert. Nun geht ein letzter Aufstieg zum Château Roquefixade. Die Burg im Besitz des Grafen von Toulouse diente den Katharern als Zufluchtsort, bevor sie auf Befehl des Kardinals Richelieu im Jahre 1632 abgetragen wurde. Heute steht nur noch eine Ruine an diesem Ort.  Einzige Bewohner sind nur einige Ziegen, die hier gemütlich grasen. 


Nach knapp sechs Stunden Wanderung erreichen wir dann Roquefixade, unser heutiges Etappenziel. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, es gibt sie also noch, die wirklich urigen Bergdörfer, wie man es sich vorstellt, aber selten erlebt.

Tag 4


Diese Etappe führt uns von Roquefixade nach Montségur einem sehr bedeutenden Ort der Katharerzeit. 


Gut gefrühstückt geht es durch dichte Wälder Richtung Süden. Das Wetter meint es zwar gut mit uns, aber da es in den vergangenen Wochen ausgiebig regnete, sind die Wege völlig verschlammt und das Gehen sehr erschwert. Da kommt uns der kleine Ort Montférrier genau richtig für eine Rast am Flüsschen Touyre. Wir lassen uns den Inhalt des liebevoll vom Gastwirt zusammengestellten Lunchpakets schmecken. Übrigens, nicht nur hier, sondern in jeder Herberge unserer Tour bekamen wir tolle Lunchpakete mit auf den Weg. 


Kurz vor unserem Etappenziel erreichen wir die auf 1207 m hoch gelegene Katharerburg Montségur. Die Burg ist das Wahrzeichen des Widerstands der Katharer. Zu Beginn der 1230er Jahre wurde sie zum Zentrum und Zufluchtsort verfolgter Katharer, die dem Papst und dem französischen König Widerstand leisteten. Am 16.03.1244 fiel die Burg. Rund 250 Männer, Frauen und Kinder, die sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören, verbrannten am Fuß des Berges auf dem Scheiterhaufen. Die Zeit hat einen breiten Teppich über diesen Ort gelegt, und man kann sich heute beim Anblick der friedlichen Landschaft kaum mehr vorstellen, welche menschlichen Dramen sich hier abgespielt haben. 


Mit diesen geschichtlichen Eindrücken geht es weiter und wir erreichen unsere Unterkunft La maison sous le Château in Montségur. Unser Gastgeber Fréderic bewirtet uns vorzüglich und wir lassen den Tag bei einem Gläschen Rotwein ausklingen.

Tag 5


Eine etwas kürzere, aber nicht weniger beeindruckende Etappe führt uns heute von Montségur ins kleine Örtchen Comus. 


Noch einmal geht der Blick zurück auf die hoch oben thronende Burg von Montségur bevor wir wieder in dunkle Wälder mit noch immer schlammigen Wegen eintauchen. Mitunter wird die Tour auch zur Rutschpartie, aber davon lassen wir uns nicht abhalten. 


Am Weiler Pelail machen wir eine erste Rast und dann geht es in die sogenannte Schlucht des Schreckens „Gorges de La Frau“. Hier hat der Fluss Hers eine ca. 3 km lange Schlucht gegraben. Beeindruckende Felswände, an manchen Stellen 300 bis 400 m hoch, säumen unseren Weg. 


Bald ist auch schon Comus erreicht. Der kleine Ort hat gerade einmal 32 Einwohner, und unsere heutige Unterkunft befindet sich im Kurienhaus im Anbau der Kirche. Ben, unser heutiger Gastgeber, hält noch eine kleine Überraschung für uns bereit. Er übergibt uns den Kirchenschlüssel und wir dürfen in aller Ruhe die kleine Kirche besichtigen, bevor uns abermals ein super leckeres Abendessen aufgetischt wird.

Tag 6


Die heutige Etappe wird wieder länger werden. Es geht über 21 km, 750 m hinauf und 849 m hinab nach Ascou. 


Comus im Rücken führt uns der Weg zunächst über Wiesen und Felder zum kleinen Ort Montaillou. Hier leben im Winter gerade einmal 20 Menschen. 


Eine kurze Rast im Schatten und weiter geht es zum Château de Montaillou. Genauer gesagt handelt es sich nur noch um eine Ruine. Im 12. Jhd. gehörte die Burg dem Grafen von Foix und wurde nach der Belagerung von Montségur teilweise zerstört.


Ab hier geht es hoch hinauf zum Col de Balagues auf 1670 m und es eröffnet sich eine traumhafte Aussicht auf die Gebirgsketten der Pyrenäen. 


Nach einer ausgiebigen Rast geht es über wunderschöne Bergwiesen und durch dichte Wälder wieder hinab in Richtung unserer heutigen Unterkunft. 


Nach ca. 7 Stunden erreichen wir das Gite dÈtape La Forge d`Ascou.

Tag 7


Noch länger führt uns der Weg heute über 24 km mit einem Aufstieg von 1247 m und einem Abstieg von 1199 m von Ascou nach Merens-les Vals. 


Sofort geht der Weg steil bergan, um dann in Serpentinen wieder hinab zum kleinen Örtchen Orlu zu führen. Der Tipp eines Anwohners, eine Abkürzung zu nehmen, erweist sich als ziemlich steiler Aufstieg. Oben angekommen haben wir uns eine ausgiebige Rast verdient und können den Ausblick auf die umliegenden Gipfel genießen. Einer dieser Gipfel ist der Col de Joux auf 1700 m, und dort geht es nun hinauf. 


Nach diesem weiteren Aufstieg haben wir uns abermals eine Rast verdient, bevor wir mit dem Abstieg in Richtung unseres heutigen Etappenziels in Meréns-les-Vals beginnen. Eine der ältesten typischen romanischen Pyrenäenkirchen aus dem 10. Jahrhundert empfängt uns schon von Weitem mit ihrem Anblick. Nur noch eine kleine Erfrischung am Bach und wir erreichen unser heutiges Etappenziel nach 8 Stunden. 


Hier trifft der GR 10 und der GR 107 aufeinander und so treffen wir in unserer wunderbar rustikalen Auberge du Nabre auf Wanderer aus verschiedenen Ländern beim gemeinsamen Abendessen an einer langen Tafel.

Tag 8


Von Meréns-les-Vals nach Porta liegt heute eine Strecke von 25 km vor uns. Auf- und Abstieg von 1653 m bzw. 1302 m haben es ebenfalls in sich. 


Vorbei an Schwefelquellen geht es sofort steil hinauf. Zunächst durch Bergwälder wird die Landschaft später offener. Wir durchwandern eine herrliche grüne Berglandschaft mit kleinen smaragdgrünen Bergseen und erste kleine Schneefelder müssen überquert werden. 


Nach ca. 5 Stunden Aufstieg folgt nun der Abstieg durch die fast unberührte Landschaft bis zum Teich Besines. Hier ist erst einmal Zeit für eine längere Rast. 


Leider ziehen inzwischen dunkle Wolken am Horizont auf und der weitere Weg bis zu unserem Ziel in Porta wird von Regenschauern begleitet. Also heißt es immer wieder rein in die Regenkluft, raus aus der Regenkluft, aber das gehört nun mal dazu. 


In unserer Herberge treffen wir abermals auf eine französische Wandertruppe, der wir schon des Öfteren begegnet sind. Obwohl wir alle nicht der französischen Sprache mächtig sind, ist die Freude dennoch groß und irgendwie entwickelt sich mit Händen und Füßen eine lebhafte Konversation.

Tag 9 


Um vier Uhr früh klingelt der Wecker, heute geht es im Morgengrauen auf die längste Etappe von Porta nach Bellver de Cerdanya. 35 km, 1111 m Auf- und 1553 m Abstieg liegen vor uns. 


Zunächst geht es entlang eines Flüsschens, über welchem zu dieser frühen Tageszeit noch dicke Nebelschwaden liegen. Wir biegen ab und beginnen den Aufstieg zum Portella Blanca, dem mit 2517 m höchsten Punkt unserer heutigen Etappe. Der Sonnenaufgang in den Bergen ist heute besonders spektakulär. 


Der einsame Weg führt uns durch das Tal Vallee du Campcardos eine ehemalige Sommerweide, im Hintergrund ragt der gewaltige Gipfel des Puig de Campcardos empor. Auf der Weide grasen halbwilde Pferde. 


Nach einigen Stunden und vielen Höhenmetern erreichen wir den Gipfel Portella Blanca und gleichzeitig das Dreiländereck Frankreich-Spanien-Andorra. Ein wunderbarer Ort, um unser Frühstück zu genießen. 


Von nun an sind wir in Spanien oder besser gesagt in Katalonien. Der Abstieg führt uns zunächst aus dem alpinen Gelände weiter über Wiesen und Wälder. Wir begegnen frei umherziehenden Rinderherden, zu denen sich, zu unserem Erstaunen, auch immer einige Pferde gesellen. Endlich erreichen wir den kleinen Ort Prullans und wir können uns am Dorfbrunnen unsere Füße kühlen, bevor es weitergeht. 


Leider meint es der Wettergott jetzt nicht mehr so gut mit uns und wir müssen bei schwerem Gewitter und Starkregen eine Zwangspause einlegen. Zum Glück bietet sich ein offener Pferdestall zum Schutz an. 


Endlich klart es wieder auf und wir nehmen die letzten Kilometer in Angriff und erreichen nach ca. 11 Stunden unser Ziel Bellver de Cerdanya. Unser Gastgeber bewirtet uns überschwänglich mit typisch katalanischen Grillgerichten, bevor wir todmüde in unsere Betten fallen.

Tag 10


Der Tipp unseres Gastgebers lässt uns zunächst zu einem kleinen Bäckerladen gehen, wo wir das wohl beste Schinkenbaguette von ganz Spanien zum Frühstück bekommen. So gestärkt führt uns der Weg hinaus aus Bellver de Cerdanya in Richtung Baga. 


Heute liegen knapp 23 km vor uns. Es geht wieder durch herrlich grüne Landschaften und so mancher Höhenmeter muss überwunden werden. Unser Weg führt uns zunächst zum Refugi dels Cortals, wir ziehen jedoch weiter, denn unser heutiges Ziel ist ja, wie schon erwähnt, die kleine Stadt Baga. 


Die letzten Kilometer führen leider nicht so schön über eine Asphaltstraße. Vorher haben wir aber noch die Gelegenheit, im Riu de Greixer unsere Füße zu kühlen. 


Angekommen in Baga gönnen wir uns erst einmal eine kühle Büchse Bier aus dem Supermarkt, bevor wir unser Quartier für heute beziehen.

Tag11 


Jetzt ist es leider geschehen, zwei von unseren Gruppenmitgliedern hat es ziemlich doll erwischt. Irgendetwas ist ihnen mächtig auf den Magen geschlagen und an ein Weitergehen am heutigen Tag ist für die beiden nicht zu denken. Zum Glück gibt es eine Busverbindung von Baga nach Gosol dem heutigen Etappenziel. Schweren Herzens verabschieden wir uns von den beiden und starten die heutige Etappe. 


Vor den verbleibenden Gruppenmitgliedern liegen 27 km, 1226 m hoch und 588 m hinab. Wir wandern entlang einer alten Bergbahntrasse und durch Tunnel, um dann wieder steil bergan zu gehen. Gerade saßen wir noch zur Mittagspause im Sonnenschein, da hören wir schon das Grummeln eines aufziehenden Berggewitters. Wir suchen uns noch schnell eine halbwegs geschützte Stelle und schon geht es los. Ein gewaltiges Gewitter sucht uns heim, aber so schnell wie es gekommen ist, zieht es auch wieder ab. Nur der starke Regen ist ab jetzt unser ständiger Begleiter bis zum Tagesziel in Gosol. 


Im Hostel treffen wir unsere zwei wieder halbwegs genesenen Mitwanderer. Jetzt aber schnell raus aus den nassen Klamotten und erstmal mit einem heißen Tee von innen aufwärmen.

Tag 12


Ab heute wieder vereint verlassen wir Gosol am frühen Morgen in Richtung Berga. Allerdings werden wir heute noch nicht in Berga ankommen, sondern machen in der Unterkunft Cal Barbut etwas abseits der Route noch eine Zwischenübernachtung. 


Erst einmal geht es wieder 530 m bergan. Wieder begegnen wir Rinderherden, die von einigen halb wild lebenden Pferden begleitet werden. Wir überschreiten den Col del Portet und wandern an der beeindruckenden Felswand von Ferrus entlang. 


Ab jetzt geht es wieder 1200 m hinab ins Tal. Ein letzter Aufstieg und wir erreichen nach 8 Stunden Gehzeit die wunderschöne Unterkunft Cal Barbut. 


Hier wohnt nicht etwa eine Spanierin, sondern Charlotte, eine Dänin, die sich hier den Traum vom Leben in den Bergen verwirklicht hat. Vom Garten aus haben wir einen tollen Ausblick auf Berga unserem morgigen Tourziel. Hoch über uns kreisen Bartgeier und wir erfahren, dass Charlottes Mann sich als Naturschützer um diese majestätischen Vögel kümmert. Das Abendessen ist, wie übrigens immer auf dieser Tour, vorzüglich.

Tag 13


Nach dem Frühstück machen wir noch ein Abschiedsfoto mit Charlotte und brechen auf zur letzten Etappe. 


Bevor wir wieder auf unseren eigentlichen Weg treffen, machen wir noch einen Abstecher in das verlassene Bergbaudorf Paguera. Das Dorf wurde aus den Steinen der alten Burg von Figols errichtet und nachdem es mit dem Bergbau zu Ende gegangen war, wurde es 1970 wieder vollständig verlassen. Heute weht nur noch der Wind durch die alten Häuser und die Natur kehrt Stück für Stück zurück. 


Zurück auf unserem eigentlichen Weg durchwandern wir zunächst einen kleinen Tunnel, überqueren einige Bäche und wandern über Wiesen. 


Es ist soweit, unser Tourziel Santuari de Queralt, eine Kirche oberhalb von Berga gelegen, kommt in Sicht. Insgesamt 249 km liegen hinter uns. Wir haben die Pyrenäen zu Fuß von Nord nach Süd auf den Spuren der „Guten Menschen“ überquert. 


Es geht noch einmal über Stufen steil bergab und wir landen mitten in Berga, machen noch einen kleinen Stadtbummel und lassen es uns im Hotel gut gehen.

Tag 14


Am Morgen besteigen wir den Überlandbus der uns nach Barcelona bringt. 


Nach den Tagen in der herrlichen Natur der Pyrenäen sind wir in der Hektik der Mega City schon fast überfordert. Wir schlendern über die Rambla, bummeln in der Markthalle, kaufen noch das ein oder andere Souvenir bevor uns am nächsten Tag der Flieger wieder in die Heimat bringt. 


Unser Resümee: Wir haben wunderbare Menschen, sowohl in Frankreich als auch in Spanien, getroffen, haben die französische und die katalanische Küche genossen und sind durch wunderschöne Landschaften gewandert. Das soll bestimmt nicht unsere letzte Tour in dieser Gegend gewesen sein.



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